Würde & Scham

für ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander in Beruflichem und Privatem

"Kurz vor einem wichtigen Termin, man ist schon auf dem Weg dorthin, entdeckt man auf seiner Hose einen Fleck, sieht nach Butter aus und vielleicht ein bisschen Erdbeermarmelade, ... nicht zu verbergen, zu wenig Zeit um sich umzuziehen, keine Chance den Fleck herauszuwaschen, ... man muss den Termin mit dem peinlichen Fleck überstehen."

... ein kleine Peinlichkeit, die rasch vorüber geht, aber es gibt auch die abgrundtiefe Scham, man möchte unsichtbar sein, man wünscht sich, im Boden zu verschwinden, ... 

 Wie wohltuend wenn das Missgeschick nicht noch zusätzlich tadelnd kommentiert wird, sondern mit einem aufmunternden Lächeln oder mit einer Anektote mit Milde betrachtet wird. 
Aber was steckt hinter all dem? 

 "die Scham"

 
Dieses unglaublich starke Gefühl der Scham kennen wir alle, wir sind uns dieser Emotion oft gar nicht bewusst, verdrängen und verbergen sie und sprechen auch nicht über diese "Heimlichkeit". 
Wir sind überzeugt, dass dieses Gefühl nur uns selbst etwas angeht und doch kann es im Gespräch und in der Begegnung mit anderen Menschen, im Beruflichen wie im Privaten, unerwartet sichtbar und spürbar werden. Wir empfinden Peinlichkeit, werden rot oder finden keine passenden Worte mehr und ziehen uns ganz in uns selbst zurück.

Aber "die Scham" hat auch ihre gute Seite. Sie ermöglicht uns persönliche Weiterentwicklung und sie unterstützt uns, anderen und uns selbst, achtsam und wertschätzend  zu begegnen. Der Psychiater und Psychotherapeut Dr. Leon Wurmser formulierte es treffend, "Scham ist die Hüterin der Würde."

"die Würde"


 ... ein altmodischer und abstrakter Begriff, der wenig mit unseren Lebenswelten zu tun haben zu scheint und doch verbinden wir etwas sehr Positives mit der Würde, in der UNO-Charta für Menschenrechte heißt es "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." 

 
 Im Duden ist vom, „Bewusstsein des eigenen Wertes, Achtung gebietender Wert, der einem Menschen innewohnt, und die ihm deswegen zukommende Bedeutung" , die Rede.


Ein menschenwürdiges Leben zu führen und unsere Beziehungen und Kontakte "menschenwürdigend" zu gestalten, so beschreibt es Dr. Stephan Marks, ... wäre das ein lohnendes Anliegen? Was würde das verändern in unserem Leben und im Leben anderer?

"Würde & Scham" in Teams, Organisationen & Gemeinschaften 

Überall wo Menschen miteinander zu tun haben, zusammenarbeiten, Menschen betreut oder begleitet werden, gibt es auch das Gefühl von "Scham" & die Haltung der "Würde". 

Ein zuviel an Scham, vor allem wenn sie nicht wahrgenommen und erkannt wird, beschädigt mit seinen Schamabwehrmechanismen, wie Coolness, Schamlosigkeit, Sarkasmus, ... ein gutes Miteinander. So als würde sich eine ganzes Team, eine Gemeinschaft, ein Kollegium, eine Großfamilie in einem Spinnennetz verwickeln und verkleben und immer mehr verstricken. Das beeinträchtigt die Zusammenarbeit, die Arbeitsbedingungen, die Kooperation und das Zusammenleben in markanter Weise.

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"Kein Mensch kann die in ihm angelegten Potentiale entfalten,

wenn er in seiner Würde von anderen verletzt wird oder 

er gar seine eigene Würde verletzt."

von Prof. Dr. Gerald Hüther, Biologe und Gehirnforscher




Bildnachweis: Mathi Prantz, Leo Hartl